Arbeitsplätze schaffen, anstatt Leistungen kürzen

Der Bundesminister für Arbeit Martin Kocher hat einen Reformdialog zur Neugestaltung der Arbeitslosenversicherung in Österreich gestartet. Dafür besichtigte er bereits die Systeme mehrerer anderer Staaten – darunter jene in Schweden und in den USA – und bindet auch Opposition und Sozialpartnerschaft ein. Jüngst fand ein Gespräch mit Arbeitsuchenden und VertreterInnen des AMS Steiermark statt. Zur Diskussion stehen unter anderem die Höhe des Arbeitslosengeldes bzw. eine Absenkung im Laufe der Bezugsdauer (degressives Arbeitslosengeld) oder die Möglichkeit eines geringfügigen Zuverdienstes.

Aktuell Höchstwerte bei offenen Stellen und Langzeitarbeitslosen

In der Steiermark sind derzeit 29.076 Steirerinnen und Steirer beim AMS arbeitslos gemeldet – der niedrigste Stand seit 2011. Dazu kommen 8535 Teilnehmende in Ausbildungen. Demgegenüber stehen fast 17.000 beim AMS gemeldete offene Stellen – ein Höchstwert. Nicht alle offenen Stellen werden beim AMS gemeldet. Die Langzeitbeschäftigungslosigkeit ist mit 11.324 Betroffenen ebenfalls historisch hoch. Gründe dafür sind die fehlende Qualifikation oder gesundheitliche Einschränkungen.

Attraktive Bedingungen schaffen, statt Druck erhöhen

„Das Senken des Arbeitslosengeldes mit steigender Bezugsdauer ist nicht sinnvoll. Das führt in Richtung Armut und ist eine Schwächung der Kaufkraft“, meint Peter Hochegger, Kuratoriumsvorsitzender des Fonds für Arbeit und Bildung der Diözese Graz-Seckau. Anna Hollwöger, Generalsekretärin der Katholischen Aktion Steiermark und Mitglied des Kuratoriums des Fonds: „Wenn Qualifikationen oder die körperliche Leistungsfähigkeit nicht dem Anforderungsniveau des Arbeitsmarktes entsprechen, hilft es nicht, über Leistungskürzungen Druck auszuüben.“ Peter Hochegger schlägt weiter vor: „Aus Sicht des Fonds ist es notwendig, dass Betriebe ihre Arbeitskräfte über Lehrverhältnisse oder andere Programme primär selbst ausbilden und die Arbeitsbedingungen attraktiver gestalten. So wie das zum Teil schon durch Vier-Tage-Wochen in der Gastronomie geschieht.“

Arbeitsangebote für jene, die die Wirtschaft nicht braucht

Zur hohen Langzeitbeschäftigungslosigkeit – derzeit sind 39 % aller steirischen Arbeitssuchenden mehr als ein Jahr arbeitslos – meint Hochegger: „Es ist ein Gebot der Stunde, auch Arbeitsuchenden, die der herkömmliche Arbeitsmarkt offensichtlich nicht brauchen kann, eine Chance auf Arbeit zu geben. Wir denken an sozialökonomische Arbeitsplätze, wo jene Menschen Arbeit finden, die in der freien Wirtschaft auf Grund von gesundheitlichen Einschränkungen, ihrem Alter oder mangelnder Qualifikation keine Chance haben.“ Ein solches Modell würde Arbeitslosengeld sparen, Einkommen und Sozialbeiträge generieren und zudem die soziale Stabilität und die Gesundheit der Betroffenen fördern, wie eine Studie der Universität Linz zeigt.

Hilfe für mehr Chancen auf Arbeit

Der Fonds für Arbeit und Bildung der Diözese Graz-Seckau unterstützt Betroffene. Mit den „Einzelfallhilfen zur Förderung der beruflichen Chancen“ werden Menschen z. B. beim Erlangen von Führer- oder Staplerscheinen unterstützt. Außerdem bietet der Fonds Zuzahlungen zu Weiterbildungen oder zu Zahnsanierungen. „Zur Finanzierung dieser Aktivitäten sammeln wir Spenden oder haben Kooperationen, wie etwa mit dem Wifi Steiermark“, erklärt Bernhard Schwarzenegger, Geschäftsführer des Fonds. Die Prüfung der Anträge und Abwicklung erfolgt über die Caritas.




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